Donnerstag, 15. Oktober 2009
Lebenslanges Nichtslernen
Und jetzt stelle man sich vor, wie unheimlich viele Menschen ein Leben lang Fussballspiele schauen, aber ausser Floskeln und Klischees nichts dazu sagen können. Schlimm, oder? Mir geht es dabei nicht gross anders. Ich habe früher selbst ein wenig Fussball gespielt, kenne also über die Regeln hinaus auch noch ein wenig Taktik. Aber damit hat sichs dann.
Das Schlimme daran ist: Das Fernsehen hilft uns nicht weiter. Gestern, beim Auftritt der Schweiz gegen Israel, ist mir das wieder einmal bewusst geworden. Nichts als Floskelgedresche, Hüppi und Sutter, die sich gegenseitig oberflächliche Pseudoweisheiten zupassen und Ruefer, der mit ein paar hundertfach verbratenen Klischees aufwartet. Aber mal etwas tiefer gehen? Taktische Feinheiten zerlegen? Fehlanzeige.
Auf einem englischen Sender habe ich einmal beobachten können, wie richtige Experten, nicht "Experten", in der Halbzeitpause Spielszenen zerlegt haben. Fünfmal abgespielt haben die das, währenddem ein altgedienter, mit allen Wassern gewaschener Trainerfuchs mit einem Stift Spieler auf dem Bildschirm markiert und Worte spricht, bei denen man nur vor dem Bildschirm sitzt und sagt: Aha, so funktioniert das also.
Wieso geht das in der Schweiz - und übrigens auch in Deutschland - nicht? Wieso können die Menschen, die uns Fussball präsentieren, nicht mehr von sich geben als "ein frühes Tor wäre ganz wichtig" und "wir müssen schauen, dass wir hinten dicht halten"? Wollen das die Zuschauer nicht? Oder denken nur die Macher dieser Fussballsendungen, dass das die Zuschauer nicht wollen?
Wie es auch immer ist: Ich will sowas. Ich will mehr als Gefasel und Gefloskel. Ich will mir kein Fussball-Lehrbuch kaufen, aber ich will, wenn ich schon ein Leben lang Fussball schaue, endlich auch mal mehr über Fussball lernen.
Samstag, 12. September 2009
5 Tweets, die nicht mal die eigene Mutter interessieren
Man hört es oft: Twitter? Ach, das ist doch dieses Dings, wo Leute schreiben, wenn sie gerade einen Kaffee kochen. Oder eine Pizza in den Ofen schieben. Und sich die Haare föhnen.
Da sind wir ja immer sehr anti, da heisst es: Ja gut, man muss das ja nicht lesen. Und: Es ist ein Fehler zu denken, alles was im Internet steht, sei an einen selbst gerichtet, nur weil es öffentlich ist. Alles paletti?
Nö. Es gibt Tweets, die interessieren mich nicht einmal dann, wenn jemand ein wirklich enger Freund meiner selbst ist und ich mit ihm schon drei Monate lang auf einer irischen Wiese Schafe gehütet hab. Es gibt Tweets, wo sogar meine eigene Mutter sagen würde: Too much information! Gut, so würde sies nicht sagen. Es wäre eher ein verständnisvolles Kopfnicken, worauf sie sich wieder in die Schweizer Illustrierte vertiefen würde. Also los zu den fünf Sachverhalten, bei denen sich sogar meine Mutter wieder in ihr Schundblatt vertieft.
- Essenstweets
Man kennt das ja. Toll gegessen, vielleicht auch schon leicht einen am Helm beim Dessert. Da twittern wir doch einfach mal das Menü. Leider interessiert das niemanden. Schliesslich hat uns ja auch nie interessiert, wenn Mutter die Menükarte aus einem supertollen Restaurant nach Hause genommen und daraus vorgelesen hat. - Guten Morgen/Gute Nacht/Ich geh schlafen/Boah so früh!
Ja, ist früh grad. Ja, ist erst fünf Uhr dreissig. Aber wenn ich dann um halb Elf aus dem Bett falle interessiert mich das herzlich wenig, tut mir leid. Ist ja auch schon eine Weile her, seit der Tweet abgesondert ist. Äquivalent dazu: Journalisten, die die Reportage beginnen mit: "Es ist erst halb fünf am morgen, alles ist noch ruhig..." - Blip.fm-Tweets
Ja, ich höre auch gerne Musik. Und es ist auch total nett, dass ich von euch Musiktipps erhalte, nur interessierts mich nur halb so stark. Ich habe so viele Musik, die ich selbst noch hören muss, dass mich blip.fm einfach überfordert. - Reisetweets
Ja, gut, misanthropisch; ein verspäteter Abflug nach Rio ist mir in der Bibliothek beim Masterarbeit schreiben nun so richtig egal. Nein falsch, ich mag es diesen Säcken sogar gönnen! - Da-bin-ich-Tweets
"XY ist am Helvetiaplatz Zürich." Super Sache, wenn man auch da ist. Normalerweise einfach uninteressant und die Timeline vollspammend.
Sporttweets: Jesuschristus, jaaa, ich mach zuwenig Sport. Ich renne keinen Halbmarathon und ich steige auch nicht in jeder freien Minute aufs Rad und fahre die Schweiz ab. Das ist mein Problem. Aber bitte, schmiert mir doch nicht jede sportliche Bewegung ins Hirn, die ihr gemacht habt. Mein unsportliches Gewissen dankt es euch.
Freitag, 31. Juli 2009
Ulla Schmidts CO2-Bilanz
Samstag, 16. Mai 2009
Es geht um Journalismus
Erstens herrschen immer noch ziemlich ungleiche Maßstäbe, wenn es um die Gewichtung von Fehlern geht. In den alten Medien gibt es die “Kann ja mal passieren”-Haltung, bei Bloggern hingegen den “Typisch!”-Reflex. Und zweitens: Es gibt keine Qualitätsprobleme in den neuen Medien. Es gibt gute Sachen hüben wie drüben. Idioten leider auch.Oder wie es Stefan Niggemeier ausdrückte:
Wir brauchen guten Journalismus und gute Journalisten. Aber wenn die Diskussion darüber, wie wir beides auch in Zukunft gewährleisten können, irgendwie konstruktiv sein soll, muss sie sich endlich von den falschen Gegensätzen verabschieden. Die Front verläuft nicht zwischen Profis und Amateuren oder Redakteuren und Freien oder Verlagen und Einzelkämpfern oder zwischen Print und Online. Sie verläuft zwischen gutem Journalismus und schlechtem Journalismus. Es ist wirklich so einfach.Ja.
Mittwoch, 13. Mai 2009
Twitter ist kein Dschungel
Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtet heute in einem mit "Von der Banalität des Bloggens" betitelten Artikel über Twitter. Nach den bekannten Einstiegsfloskeln wie "Das Internet-Start-up der Stunde" und "für viel Aufregung in den Medien gesorgt" geht Autor Jan Knüsel auf eine etwas undurchsichtige Nielsen-Studie ein, die besagt, dass Twitter nur 40 Prozent der Nutzer längerfristig an sich zu binden vermag. Was auf der anderen Seite heisst, dass "rund 60 Prozent der Nutzer schon einen Monat nach der Anmeldung das Twitter-Netzwerk wieder verlassen."
Die Studie ist, wie auch der Autor anmerkt, auf einige Kritik gestossen, da sie nur twitter.com berücksichtigte und nicht auch die verschiedenen verwandten Anwendungen, über die Twitter genutzt werden kann. Nielsen hat deshalb in einer Folgestudie auch externe Applikationen einbezogen. Die im Vergleich zu Facebook und Myspace tiefe Retentionsrate hat sich damit aber nicht verändert.
Nun mag man sich natürlich über den Sinn dieser Studie streiten. Die Kommentatoren unter der Studie sind durchaus skeptisch, sowohl was die Methodik als auch die Aussagekraft der Studie (etwa der gezogene Vergleich der Retentionsraten mit Facebook und Myspace) betrifft.
"Twitter-Nutzer überfordert"
Die Studie ist für Knüsel aber nicht die Nachricht selbst, sondern nur Mittel zum Zweck. Er nutzt die für Twitter nicht gerade schmeichelhaften Nielsen-Resultate, um einen ganz eigenen Schluss zu ziehen. Tatsache sei nämlich, unabhängig der Kritik der Nielsen-Studie
dass Neuregistrierte von Twitter von der schieren Fülle an Nachrichten überfordert sind. Die steigende Anzahl Twitter-Kanäle verwandelt das rudimentäre Layout zu einem unübersichtlichen Nachrichten-Dschungel. Zudem fehlt im Gegensatz zu Facebook die multimediale Abwechslung.Angesichts dieser Zeilen muss man sich fragen, ob Knüsel Twitter nur aus der Wikipedia kennt oder allerhöchstens mal auf der Startseite herumgestöbert hat.
Der Witz an Twitter ist ja eben nicht, die ungefilterten Updates aller Twitter-Nutzer auf sich einprasseln zu lassen, sondern sich nach seinen persönlichen Vorlieben mit Menschen zu verknüpfen, für die oder für deren Updates man sich interessiert. Wäre Twitter tatsächlich nur ein Dienst, der willkürlich Kurznachrichten von Menschen aus aller Welt auf den Bildschirm schickt, könnte man sich über die "schiere Fülle an Nachrichten", die "steigende Anzahl Twitter-Kanäle" und den "unübersichtlichen Nachrichten-Dschungel" beklagen. So aber hat jeder Nutzer die Möglichkeit, selbst zu kontrollieren, was er empfangen will.
Nicht zu vergessen ist weiter die Möglichkeit, Tweets auf gewisse Inhalte zu durchsuchen. Wer etwa verfolgen wollte, was Twitter-Nutzer gestern über den Eurovision Song Contest zu sagen hatten, merkte ziemlich schnell, dass dafür in grosser Zahl das Hashtag #esc verwendet wurde. Eine Suche danach, und aus dem "unübersichtlichen Nachrichten-Dschungel" entsteht ein zwar bunter, aber thematisch geordneter Haufen von Tweets.
Die Möglichkeit, Menschen und ihren Updates zu folgen sowie die Twitter-Suche sind also das Buschmesser, das dabei hilft, den Nachrichten-Dschungel auf die Grösse eines übersichtlichen Dorfwäldchens zu stutzen. Ein Bericht, der sich mit dem prophezeiten Niedergang eines Internet-Dienstes beschäftigt, täte gut daran, dessen Grundfunktion richtig wiederzugeben.
Vermeintliche Banalität
Im Artikel (und natürlich in der Überschrift) schwingt ausserdem ein weiteres Vorurteil über Twitter und andere soziale Medien mit: Die Banalität der Kommunikation. Meist äussert sich dieses Vorurteil in spöttischen Sätzen wie "Twitter ist ein Dienst, auf dem sich Menschen darüber austauschen, was sie gerade tun, zum Beispiel einkaufen, Socken stopfen oder ein Bier trinken". Dieses Vorurteil unterliegt einem grundsätzlichen Missverständnis der relativ neuen many-to-many-Kommunikation: Was im Internet steht, muss mich auch etwas angehen. Das ist aber nicht so. Soziale Medien machen Gespräche unter Menschen öffentlich, in die man bis vor kurzem keinen Einblick hatte.
Wenn also im Internet steht, dass Markus H. aus Gelsenkirchen gerade eine Prüfung hinter sich gebracht hat und nun plant, den restlichen Tag dem Bier zuzusprechen, richtet sich diese Äusserung zwar an die gesamte Internet-Öffentlichkeit - sie ist für alle einsehbar - interessant ist sie aber wohl nur für Menschen, die Markus H. aus Gelsenkirchen kennen und sich für dessen Leben interessieren. Der Vorwurf der Banalität rührt aus einem mangelnden Verständnis der Kommunikationsstruktur von sozialen Medien, denn diese machen, wie erwähnt, bisher eher private Gespräche öffentlich. Dass wir einen grossen Teil dieser Gespräche als banal empfinden, ergibt sich einzig aus der fehlenden Verbindung zwischen Absender und potenziellen Empfängern.
Menschliche Kommunikation ist nun einmal, wenn man sie aus einer neutralen Position betrachtet, zum grossen Teil banal, im Sinne von alltäglich und locker-flockig. Daran ändert das Internet nichts. Es macht diese Kommunikation nur sichtbar.
Ein weiterer Punkt wäre noch anzufügen auf den Banalitätsvorwurf: In sozialen Medien hat es jeder Nutzer selbst in der Hand, mit wem er wie kommuniziert. Wer Markus H.s Tweets als zu wenig relevant betrachtet, kann ihn im Handumdrehen entfollowen. Jeder ist seiner Twitter-Updates eigener Schmied.
Twitter kann mehr als nur locker-leicht dahinplappern. Es ist - je nach Nutzung - eine Quelle interessanter Links und Gedanken. Wer Twitter banal findet, ist selbst schuld.
Donnerstag, 7. Mai 2009
"Streetfighter V: Real Life" - walkthrough
aus Kapitel 4: Gegner
Nicht ganz neu, aber heimtückischer denn je sind die "Überzeuger", die im ganzen Spiel jederzeit unverhofft auftauchen können. Es kann sich dabei um Missionare, Apokalyptiker, Entwicklungshelfer, Umweltschützer oder andere Weltverbesserer handeln. Sobald ein solcher Gegner am Bildschirm auftaucht, ist so schnell als möglich der Ausweich-Move zu starten (2x Joystick links + Rote Taste). Falls dieser zu spät erfolgt oder misslingt, muss sich der Spieler auf die Konfrontation einlassen.
Trotz der Missbilligung der meisten Spieler haben die Game-Entwickler auch in dieser Streetfighter-Version an den lästigen "Überzeugern" festgehalten und dazu noch deren KI verbessert. Erfreulicherweise ist es aber auch jetzt noch möglich, sich ihrer durch geschicktes Verhalten schnell zu entledigen. In jeder Phase der Auseinandersetzung ist von 5 möglichen Dialogzeilen jeweils jene zu wählen, welche zur schnellsten Entscheidung des Fights führt. In den meisten Fällen ist das eine Aussage, die volles Einverständnis mit dem Gegenüber ausdrückt oder eine hoffnungslose Opposition.
-Bist du gläubig? -Ja, total!/Bin grad auf dem Weg zur Kirche!
-Gott liebt dich. -Und ich ihn!
-Jesus ist dein Freund. -Mein bester!
-Magst du unsere Erde? -Ich hasse sie und werde sie zerstören!
-Morgen kann die Welt untergehen. -Ich werd's weitersagen!
-Was, wenn man deine Familie einsperrte? -Ist mir passiert. Ich möchte nicht drüber reden.
-Wusstest du, dass in Nepal Menschen unterdrückt werden? -Warst du dort? Nepal gibt es gar nicht.
Ist über dem Gegner ein Firmenlogo eingeblendet, kann oft einfach die Option "-Da bin ich schon lange Mitglied" gewählt werden. Neben den genannten Reaktionen gibt es auch andere Möglichkeiten; Ziel ist stets ein schnelles Ende des Kampfes.
Von seriösen Spielern, die Wert auf einen vollen Ehrlichkeits-Balken legen und dafür auch gerne mal an einem Gegner 20 Minuten lang hängen bleiben, wird dieses effiziente Verhalten als "cheaten" verspottet. Doch sind solche Kampftaktiken nach wie vor die einzige Möglichkeit, das Game in zumutbarer Zeit durchzuspielen.
