Roman nebenan schläft, während vor mir auf TCM «Spiel mir das Lied vom Tod» läuft. Die grosse Titelmelodie von Ennio Morricone schwirrt aus dem Minifernseher, der auf dem Minikühlschrank steht, in dem man all die Maxiprodukte aus dem Walmart eher nicht unterbringen kann. Mir wird fast schwindlig, wenn ich daran denke: Ich bin in den USA, in diesem Land, das ich mir bis jetzt immer nur vorstellen konnte. Wo ich immer hinwollte, weil es mich geprägt hat, ohne dass ich je einen Fuss auf amerikanischen Boden gesetzt habe.
(Der Bebilderung halber hier mal ein Bild unseres grossartigen Nissan Altima. Geiles Alamo-Upgrade.)
Doch genug Pathos, der Abspann ist jetzt gerade vorbei, und nein, das ist kein dramaturgischer Kniff. Robert Osborne spricht jetzt mit Eli Wallach aus «The Good, The Bad and The Ugly». Über den Film. Natürlich ist der «awesome», «breathtaking», «brillant» und so weiter. Keine Abwertung, aber das ist etwas, was mir in zwei Tagen USA schon aufgefallen ist (und was ich vorher schon vermutete): Es ist alles sofort Wahnsinn und grossartig und life-changing und alles.
Gerade heute Abend, wir sind übrigens im netten St Petersburg an der Westküste von Florida, haben wir Dana getroffen, sie ist Graphic Designer, und um aufzuzählen, wofür sie alles Superlative verwendet, müsste man mehr Speicherplatz bei Google kaufen. Sie fragte uns dann auch noch, ob wir die Amerikaner wirklich als so «rude» empfinden? Nein, natürlich nicht, meinten wir, denn «rude» war wirklich die letzte Empfindung, die wir mit den Amerikanern verbinden, bis jetzt. Eher, dass man überall angesprochen wird, dass man unglaublich leicht ins Gespräch kommt. Als Schweizer wirkt das auf einen unwirklich, als wären alle Barrieren, die man bei uns vermutet, gar nicht da. Dana umarmte uns zum Abschied dann auch herzlich, als würden wir uns schon Jahre kennen.
Übrigens habe ich den Grund für Floridas Wasserknappheit ausgemacht: Die WC-Spülungen. Die füllen sich nämlich schon vor dem Geschäft bis zum Rand. Das sieht für Schweizer aus, als müsste man gleich den Klempner rufen, aber irgendeinen Grund wird es schon geben; vielleicht.
Weiter zurück in der Geschichte. In der Bar, wo wir Dana trafen, spielte Michael Gitarre und sang (ihn gibt es übrigens hier). Der rechnete wohl eher nicht damit, dass sich jemand meldet, als er fragte, ob hier wer Gitarre spiele (bei einer Bar mit fünf Besuchern auch eher unwahrscheinlich). Ich schritt dann jedenfalls frech auf die Bühne und spielte den wohl einzigen Song, den ich noch aus meinem Gehirn absolvieren kann: «Wherever you will go» von The Calling. Brachte mir einige «Good job!» der Besucher ein, unter anderem von einem kleinen indischen Jungen, und der muss es ja wissen.
Früher am Tag waren wir in Naples. Ei, ein schönes Städtchen. Direkt am Strand mit etwa drölftausend Fischern und herausgeputzt wie eine Escortdame. Alle Bilder dieses Städtchen-Schönlings gibts dann exklusiv auf Facebook oder Picasa oder sonst irgendwo in diesem Internetz; da gibts ja mittlerweile so viele Möglichkeiten - Wahnsinn!
Ob an dieser Stelle ein Rückgriff auf Miami erzähltechnisch geschickt ist, mögen andere entscheiden. Allzu viel davon haben auch noch nicht gesehen. Das Howard Johnson Plaza, unser Hotel, war zwar in Miami Beach, und wir sind auch etwas herumgekommen, doch Miami behandeln wir ausführlich erst am Schluss der Reise. Trotzdem bedaure ich es jetzt schon ausführlich, dass niemand meinen OMG-Gesichtsausdruck aufgenommen hat, als wir mit Usher im Radio über den Wassersteg von Miami nach Beach gefahren sind. Vielleicht kann ich den ja noch reproduzieren. Also den Gesichtsausdruck, nicht Usher.
Naples again: Nach den obligaten Zigaretten am Strand drückte ich im Nissan Altima auf den Anlasserknopf (Zündschlüsseldrehen gibts nicht mehr) und wir waren auf dem Weg nach St. Petersburg, da, wo diese Geschichte begann (Chronologie=Quotenkiller und so). In St Petersburg noch etwas Hafen, Subway (wer findet das eigentlich wirklich lecker?) und die hübsche Bar mit Minigeckos und angriffslustigen Riesenkakerlaken. Und eben, jetzt liege ich hier im hübschen America's Best Inn (keine Kette, obwohl es so klingt) und tippe auf die kleinen Tasten meines Netbooks. Wenn Inhaber Brian nicht so nett nach Nichtrauchen gefragt hätte, wäre ich jetzt noch eine am rauchen, aber so schaue ich wohl noch eine Late Late Night Show (Craig Ferguson!), bevor ich mich in meinem Gründerzeitbett dem Schlaf ergebe.
Falls es jemanden interessiert: Morgen gehts dann weiter nach Norden, Tagesziel Tallahassee, Floridas Capital City, obwohl jemand heute meinte, da sei ja nun wirklich gar nichts los. We'll see about that.
Für weitere Informationen übrigens: 1-800-FUNKYSHIT.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen