Dienstag, 27. April 2010

USA – Florida Pt. 2; Louisiana, Tennessee

Puh, zum Glück im Motel jetzt. Beale Street in Memphis ist zwar ganz hübsch, aber zehn Minuten draussen und man wird von ungefähr zehn verschiedenen Typen angesprochen, wegen Zigaretten, Geld, Phonecall und so weiter. Dabei haben wir auch Big T und Big Robin kennen gelernt (letzterer hatte übrigens was von Omar aus «The Wire»). Die waren erst ganz nett und spassig, wurden dann aber etwas ungemütlich – ich glaube, Big Robin wollte durch Flüstern und konsequentes Separieren meiner Selbst von Roman einen Keil zwischen uns treiben. Er sprach immerzu von «That's not good, man!» und «I don't like that man», obwohl ich wirklich nicht verstand, was er meinte. Wohl alles Taktik.

Wir also ab in eine Bar, Big Robin folgte uns, fand aber kurz darauf einen andere naiven Touristen, der ihm ein Bier brachte. Sobald das Bier da war, schritten wir nach draussen und warden nicht mehr gesehen. Die zwanzig Minuten Fussmarsch zum Motel waren etwas, hm, spooky. Morgen besser ein Cab nehmen.

In Graceland waren wir auch schon, aber eher zufällig. Der sympathische dicke Mann im RV-Park, wo wir aufgrund der Empfehlung im Lonely Planet hinsteuerten, wies uns auf die Bedeutung von «RV» hin (Recreational Vehicle); also keine Hotelzimmer für Roman und Mathias. Wir also weiter in die Tourist Information, wo wir uns ganz doll zusammenreissen mussten, damit wir die beiden älteren Damen mit ihrem meterdicken Südstaatenakzent überhaupt verstanden. Sowohl der RV-Typ als auch die Tourist-Lady führten zudem einen derart trockenen Humor mit sich, dass die Bröselcookies in unserem Mietautos sich dagegen wie reines Wasser ausnahmen. Aber nett waren sie alle allemal.

Fotos von Memphis machen wir dann morgen. Bei Tageslicht ist das alles dann doch etwas entspannter. Das war in New Orleans anders (und so zehn Grad wärmer wars da auch). Bin nicht sicher, obs am gerade stattfindenden Jazz Fest lag, aber im French Quarter tanzte der Bär ziemlich sportlich. Solange man sich nicht von den umherziehenden Mädchen mit den Reagenzgläsern im Ausschnitt abziehen lässt, verbringt man eine entspannte Zeit. Ab und an gibts für attraktive Menschen eine Perlenkette auf den Kopf von leichten Mädchen im ersten Stock. Ich habe jetzt noch Kopfweh.

Natürlich waren wir auch bei Tage in New Orleans unterwegs. Man betrachte Exhibit No. 1. Mehr Evidence gibts dann auf diesem Facebook.


Ach, ich habe noch nichts erzählt über unser Hostel. Leicht ausserhalb, im Garden District, hatten wir ein halbes Haus für uns. Man beachte, wie Roman, der sich leicht auch Big Roman nennen könnte, im folgenden Bild in der Architektur buchstäblich untergeht.


Garten gabs auch. Mit Aschenbecher und einer sehr gefährlichen Raupe, die uns ob ihrer Gefrässigkeit wohl verschlungen hätte, wären wir nicht nach drinnen geflüchtet.


Es zog uns sonntags ins Aquarium in New Orleans. Spassige Viecher gabs da und viele Ami-Kinder, die bereits alles «awesome» und «cuuuuuute» fanden. (Kids, huh?). Siehe übrigens nächstes Bild mit cutie Sting Ray fishy.


Noch weiter zurück: Die Älteren werden sich erinnern; wir starteten ja nach dem letzten Blogeintrag in St. Petersburg. Brian und Stephanie betonten vor unserer Abreise nochmal die Insignifikanz von Floridas Capital City Tallahassee und liessen uns ziehen. So schlimm kanns nicht sein, dachten wir, und fuhren los.

Bis Tallahassee wars allerdings eine Ecke. Falls ich an Gott glaubte, dankte ich ihm für den Tempomat. Geschwindigkeit setzen und die Füsse links aus dem Fenster halten (theoretisch möglich, ne). Ich habe fast stundenlang das Gaspedal nicht berührt und nur mit dem hübschen Kippschalter am Lenkrad operiert.

Nach St. Petersburg bis nach Dings, äh, Tallahassee war dann grossteils nix los, also so richtig nix. Nicht so Schweiz-nix, sondern einfach bis zum Horizont nix, und rechts und links sowas von nix, dass das Navi nichts Besseres wusste, als beige Fläche anzuzeigen.

Gen Tallahassee wurde die Vegetation grüner und, so man will, euopäischer. Was mir Gelegenheit zum Hinweis darauf gibt, dass die Amerikaner, diese Teufelskerle, ihre Häuser unmittelbar neben den grossen Strassen (vulgo: Autobahn) aufstellen. Zu ihnen und auch zu den Leuten weiter im Nichts draussen kommt man jedenfalls, indem man direkt von diesem Autobahn-Äquivalent in die Auffahrt reindrischt.

Auf der Fahrt nach Tallahassee machten wir Halt in Porton Springs. Die Menschen da fischen Schwamm und sind zum überwiegenden Teil griechischer Abstammung. Ein kleines Mykonos inmitten von Amerika also, sage ich, während ich mich gegen den Schlag der Klischeekeule wappne (und mit dem folgenden Pelikanfoto ablenke).


Und dann Tallahassee, Floridas Capital City, offiziell so um die 180'000 Einwohner. Die Dame im Tourist Information Center war unwirklich freundlich und drückte uns fünf bis zehn Karten von Tallahasse in die Hand und empfahl uns schliesslich auch noch die Plätze, wo die ganzen blonden Studentinnen feiern.

Nach dem Blick vom 22. Stock des neuen Kapitols zog uns aber eine unsichtbare Hand weiter. (Im folgenden Bild: Altes und neues Regierungsgebäude, plus Sonne).


Vielleicht war es auch ein Mini-Washington-Gefühl, das uns ergriff, als im Lift des Regierungsgebäudes ein Mann im 14. Stock mit seiner Assistentin (Vermutung) flirtete und im 10. Stock ein unterwürfiges «How are you, Sir? hervortat. Zurück im Auto flüsterte uns die sympathische Dame aus dem Navigationsgerät, die 90 Meilen bis Panama City schafften wir in einer Zeit nahe Lichtgeschwindigkeit.

Upon closer inspection aber ergab sich: Das Navi, Herr Schirrmacher, war so clever, als dass es unser Ziel in einer neuen Zeitzone verortete. Das erste Mal in meinem Leben habe ich eine Zeitzone auf dem Boden überquert - und niemand sagt was. Kein Sekt, keine Raketen, nix. (Gut, ich war bis anhin auch noch nie in den USA, geschweige denn in vier States an einem Tag, aber trotzdem, einen Vulkan hätte jemand schon abfeuern können, das tut auch den Tieren nicht so weh im Kopf.)

So, dann, Panama City Beach, keine Stadt, sondern ein seelenloses Etwas, gebaut eher darum, weil da überall Meer ist; architektonisch so wertvoll wie die Kommode im Brockenhaus hinten links. (Gut, vielleicht hätte schönes Wetter noch was ausgemacht. Das war übrigens auch der Abend, als ein Tornado von Norden nach Süden zog und in den westlich gelegenen Staaten Louisiana und Mississippi Zerstörung hinterliess.)


Auf der Suche nach einer schlafbaren Unterkunft schlugen wir zuerst einen $119-Room aus und entschieden uns aufgrund gründlicher Recherche zufällig für das, ähm, Beach Motel. Das lag zwar nicht am Strand, aber fast. Beach kommt einfach immer gut. Also Koffer hinein und duschen.

Gegessen haben wir fantastisch, aber weil es hier kurioserweise kaum Wi-Fi gibt, habe ich den Namen des Lokals vergessen (weil sonst hätte ich bei foursquare einchecken und später nachschauen können, aber das wird jetzt zu geeky). Vermerkt sei hierbei noch der aus einer Art White Chocolate bestehende Dessert, der in der Schweiz locker für ein Drittel Kompanie reicht. Eine Art Crème Brulée mit Gallonen Butter und whatnot. Das alles hat uns Kellner Steve empfohlen, der vom Körperumfang weit unter dem amerikanischen Schnitt liegt und alle zweiunddreissig verfügbaren Flaschenbiere so zuverlässig aufzählte als sei es sein Stammbaum.

Unser «Hotel» war dann auch eher, ähm, Quatsch. (Dafür hält der Besitzer zwei bis fünfzehn Katzen in seinem parfümierten Dings, das er Rezeption schimpft.)


Darum haben wir uns entschieden zu trinken. Darum waren wir in einem komischen Laden ohne WiFi und mit schrecklich lauten, dicken US-Frauen, die wir erfolgreich ignoriert haben. Darum sind wir noch weiter in den Coyote Ugly Saloon, wo zwar die Bar den hübschen Mädels unter den Rock guckt, wo man aber keine tiefsinnigen Gespräche über Gott und die Welt führen kann, wie sie das in Swiss Date immer vorschlagen.

Und nun, mit Siebenmeilenstiefeln über die Chronologie hinweg: Memphis. Bis jetzt warens 1100 Meilen in sechs Tagen. Wir sind weit vor unserem Zeitplan und trotzdem ists gemütlich. Super. Bis bald wieder in diesem Theater.

2 Kommentare:

  1. Macht doch hinterher einen Willkommensparty, wenn Ihr wieder da seid, und fragt nach allen Fakten aus diesen Posts.

    Am besten im Jeopardy-Stil: "Dort konnte man an der parfümierten Bar Big Mike unter den Rock gucken* - Lösung: "Was ist Memphis?"

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