Montag, 24. Mai 2010

USA – New York, North Carolina, South Carolina, Georgia, Florida Pt. 3

Ich bin immer noch leicht geschockt von der Kakerlake, die mir letzte Nacht um nulldreihundert über den Körper gewandert ist. Nie hätte ich eine Kakerlake in diesem pingelig sauberen Motel in West Palm Beach erwartet. Aber es schläft sich dann doch recht viel schlechter wenn man es überall zu krabbeln glauben hört.

Nun, trotz zitternder Finger (ja, bei Insekten bin ich leicht schreckhaft und weder Roman noch ich brachten es fertig, das Tier zu zertreten), trotz zitternder Finger also bin ich mir bewusst, dass ich noch New York schuldig bin, das ich zum grossen Unmut einiger im letzten Eintrag unterschlagen habe.

Joah, wo fängt man da denn an, mit diesem New York? Vor allem, wo fängt man an, ohne in den Klischeeteich zu fallen? Ja, es ist gross; ja, da sind verdammt viele Leute; ja, es ist bunt und laut und faszinierend und ungeheuer und alles (und mit dem Auto da rumfahren ist das, was auf Erden der Hölle wohl am nächsten kommt, siehe Bild).


Am ersten Tag sind wir jedenfalls von der 55th Street bis ganz nach Süden gelatscht und das hat uns so zwei, zweieinhalb Stunden gekostet (die neuen Reef-Flipflops taten dabei – wen es interessiert – einen superen Job). Das ist ungefähr die Hälfte von Manhattan der Länge nach, was wiederum nur ein recht kleiner Teil von New York ist. So viel zu New York und gross und alles. (Im Bild übrigens das Flat Iron Building, bekannt aus Funk und Fernsehen, das wir auf unserer Wanderung antrafen.)


Die Grösse schön eingedampft hat aber unser Hotel, mit Namen 1291. Erst nach Ankunft wurde uns die Bedeutung der Zahl bewusst. Na, klingelts? Genau, das Gründungsdatum der Schweiz. Es dämmerte uns erst, als wir an der Reception mit "Ah, Schwizer!" begrüsst wurden. So kanns gehen. War aber nicht schlimm, im Gegenteil. Wir haben so auch noch Noemi kennen gelernt, die uns am letzten Abend beigesellte (ich hoffe, sie verzeiht mir mein spätnachtliches Gitarrengesäusel).

Die Kombination von Reizüberflutung aufgrund von Alles-machen-und-sehen-wollen und von kaputten Füssen liess in uns die Entscheidung reifen, dass wir, trotz aller Schläge, die wir womöglich kassieren werden, eine Big-Apple-Bustour machen würden. Ja, schlimm, ganz schlimm. Sagt man. Wir fandens super, aber wir sind auch ganz einfache Gemüter und geben manchmal keinen Deut auf Realness. Auf jeden Fall haben wir viel gesehen, und ich wage zu behaupten, dass man mit dem Doppelstöckerbus etwas mehr sieht als mit der Subway, aber ich kann mich täuschen. (Im Bild: Klassisches New York.)


Wir fuhren dann durch Manhattan, Harlem, Brooklyn und schifften zur Freiheitsstatue. Das brauchte Zeit, war aber spassig, wenn wir nicht gerade überenthusiasmisierte Amerikanerinnen hinter uns im Bus hatten.

Was man alles sieht? Ich stehe für das Blog hier vor einem Entscheidungsproblem, was ich alles für Fotos zeigen will (ich habe mittlerweile etwa 1'500 mal einfach draufgehalten). Aber gut, ich übertreibe mal ein wenig und zeige wild drauflos. Erstens, die wohlbekannte Freiheitsstatue:


Dann Manhattan vom Wasser aus, mit mir, Schnute ziehend:


Dann Brooklyn Bridge mit der Freiheitsstatue im Hintergrund:


Schliesslich ein fotografisch hübsches Motiv, direkt am Ende der Brooklyn Bridge.


Dann noch eine träfe Aufnahme vom Times Square; genaues Hinschauen lohnt sich.


Und schliesslich noch der Blick vom Empire State Building gegen Süden. Auf dem Turm ging ein derart steiler Wind, dass man sich in diesen hineinfallen lassen konnte. Bild davon dann woanders.


So. Soviel zu New York. Bilder gibts dann noch mehr, für diejenigen Menschen, die nicht schon jetzt overkilled sind.

Bevor wir vorwärtschronologisch vorgehen, für einmal, noch ein kurzer Einschub, ebenfalls wie versprochen: Lake Harmony. Klingt schön, ist schön; eine Stunde von New York entfernt fanden wir Zuflucht in einem freundlichen Motel direkt an einem See (der, wait for it, Lake Harmony). Zufallstreffer, aber entspannend, so als Ruhe vor dem Sturm New York. Ecce!


Nun also Zeitsprung, bis auf den Blue Ridge Parkway, auf dem wir das letzte Mal stehen geblieben waren. Nachdem wir die Ungarn abgeladen hatten, gerieten wir in gar grässlichen Nebel, der auf den Fotos aber gar nicht so grässlich wirkt, darum kein Bild. Der Parkway nimmt sich allgemein recht schweizerisch aus, viel Grün, schöne Hügel und alles. Supersache also, wenn auch bekannt.

Bevor wir aber in wirklich schwindelerregende Höhen fuhren (über 2000 Meter über Meer!), machten wir noch Halt in einer Ortschaft namens Hillsville, von der mir in Erinnerung bleiben wird, dass ein Pickup voller weiblicher Wesen an uns vorbeifuhr und dabei schrie (die Weiber, nicht der Pickup): "Wanna see some tits?" Hach, die unschuldigen Landgeschöpfe. Das hier ist Hillsville:


Nett, nicht? Weiter gings mit sanften Hügeln und sattem Grün (bin wohl gerade in der lokaljournalistischen vor-jedes-Substantiv-gehört-ein-Adjektiv-Phase).


Zufällig (wirklich!) stiessen wir dann noch auf einen Weiler mit dem schönen Namen «Little Switzerland». Alles dabei erinnerte uns an die Schweiz. Not. War trotzdem nett, das Gartensalätchen da (Bild-Text-Schere).


Nun denn, auf über die, ähm, Baumgrenze, bis zum höchsten, äh, Berg von Ostamerika (also östlich des Mississippi). Dabei fanden wir noch Zeit für ein furchtbar gestelltes Fotoshooting. Entschuldigung im Voraus für das nächste Bild (die Höhenluft...). Man betrachte allerdings meine neuen adidas-Sneakers (Betonung auf dem «i» von adidas), für die ich ohne zu übertreiben schon etwa fünf Komplimente von wildfremden Menschen erhalten habe («Man, great kicks, man!» und dergleichen)


Auch Roman fand, die Berge bildeten eine würdige Plattform zur Selbstdarstellung. Über die Pose lässt sich natürlich streiten.


Next stop, Asheville, ein wunderbar oder auch furchtbar progressives Städtchen, wo unser werter Kollege Daniel ein ganzes Jahr Austausch zugebracht hat. In der Innenstadt kein einziger Chain Store, eben, je nach Betrachtungsweise wunderbar oder furchtbar. Ich fands super. Viel selber Gelismete natürlich. Tanzende Menschen und Hippies allenthalben, und eine Comicfreaks-Versammlung mit einem Ghostbuster-Auto vornedran.


Ich täte Asheville aber unrecht, und da stimmt mir Daniel sicher zu, wenn ich nur das Ghostbuster-Auto zeigen würde. Asheville Downtown ist zwar sehr leicht begehbar, aber ein Melting Pot mit Anlehnungen an viele andere Städte. Strassennamen übernommen aus Philadelphia, ein Flat Iron Building mitsamt Wall Street und Battery Park (und ein Biergarten, in dem ich mich leicht in die Kellnerin (ist der Ausdruck heute noch angebracht?) verliebt habe.

Ah, genau, noch ein Foto, tanzende Menschen im Park.


In Asheville trafen wir schliesslich Catherine, die uns so einheimisch fühlen liess, dass ich den Fotoapparat für schöne zwei Tage gar nicht aus dem Rucksack zog. Wir waren in einigen der lokalen Mikrobrauereien und haben «Nuovo Cinema Paradiso» im Künstlerviertel auf einen Lastwagen projiziert geschaut. Sehr super, und der Film ist mir ans Herz gegangen. Schade habe ich kein Bild von Catherines Haus und ihrer Porch, wo wir des Abends ein Assortiment örtlicher Bierspezialitäten verköstigten. Es war auf jeden Fall wundervoll, danke Catherine (auch wenn du das hier wohl nicht verstehst, hähä).

Ach so, ich muss die Chronologie nochmal kurz aufbrechen. Vor Asheville waren wir ja noch in Boone, einer «lively» Collegetown recht hoch oben. Im Winter werde es recht kalt, sagte man uns. Wir haben uns jedenfalls durch die Bar getrunken, nachdem wir nochmals ins Hotel zurück mussten, weil nur Pässe akzeptiert werden, keine Identitätskarten (faszinierend, nicht?). Als alles zuging und ich gerade noch die Jukebox mit vier Quarters füllte, sprach uns Molly an, eine, ähm, eher ziemlich sehr füllige Frau, die uns netterweise noch zu sich auf den Hügel einlud. Neugierig, wie wir halt sind, gingen wir mit und rauchten ein merkwürdiges Kraut, worauf mir der Deckenventilator äusserst spannend erschien. Sie fuhr uns dann ins Motel. Nett.

Auch von Boone: Keine Fotos. Manchmal bin ich etwas fotomüde.

Von Asheville aus gings schliesslich nach Charleston und von da nach Savannah. Charleston ist hübsch und geschichtlich theoretisch recht interessant, wegen Sklavenhandel früher und alles. Wir waren aber etwas müde. Die Bäume sind dafür recht schön.


Savannah erschien uns darum spannend, weil man da auf der Strasse Alkohol trinken könne. Es war auch hübsch, vor allem das freche Containerschiff, das vor unseren Shrimpbaskets, die wir zum Zmittag hatten, vorbeifuhr.


Auch sonst: Schön, aber das Wilde an Savannah, das uns der Lonely Planet versprochen hatte, fanden wir nicht. Vielleicht waren wir auch zu müde. Nochmals ein schönes Bild.


Joah. Daytona Beach (ja, Nascar und mit dem Auto auf den Strand fahren), Islands of Adventure in Orlando, Palm Beach (inklusive Details der aufregenden Kakerlakenstory) sowie Miami Beach gibts dann im nächsten Eintrag. Irgendwann, ne.

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