Donnerstag, 13. Mai 2010

USA – Pennsylvania, New York, Maryland, DC, Virginia

Highlight heute: Die Online-Pizzabestellung bei dominos.com. Website sieht toll aus, jeder Schritt ist wundervoll einfach und zu guter Letzt gibts einen Tracker, bei dem steht, wer die Pizza gerade zubereitet, in den Ofen schiebt, qualitätskontrolliert und schliesslich ausliefert (Mona hat die Pizza belegt und gebacken, Dustin hat sie direkt an die Hotelzimmertüre geliefert). Sowas hab ich noch nie gesehen. Weiteres Highlight: Das Fenster in unserem Hotelzimmer lässt sich öffnen. Ich weiss, es ist schwer vorstellbar, dass das jemanden freut, aber nach etlichen Hotels mit verschlossenen Fenstern ist es grossartig, draussen den Regen tropfen zu hören.

Nach diesem zugegebenermassen leicht kleinteiligen Einstieg dann doch richtige Erlebnisse. Wir wurden heute im Shenandoah Nationalpark wüst zugeregnet, nachdem wir doch tatsächlich eine kleine Wanderung zu den Black Hollow Falls angestrengt hatten. Als Schweizer ist man landschaftlich relativ nahe an Shenandoah dran, einfach nicht mit diesen Ausmassen. Endlos Wald, Wald, Hügel und dann wieder Wald. Der Wasserfall mit Roman im nächsten Bild mag denn auch vielen Schweizer Wanderfreunden bekannt vorkommen.


Ein keckes Bambi erblickten wir auch noch, als es in der Bachmitte äste. Hach, Mutter Natur und alles.


Die gute Tat haben wir heute auch vollbracht: Ein ungarisches Ehepaar ohne auch nur die geringsten Fremdsprachenkenntnisse trocken durch den Regen und zu ihrem Campingplatz chauffiert. Meine drei Wörter Ungarisch aus dem Budapest-Urlaub hatte ich leider schon wieder vergessen (wer je versucht hat, sich ungarische Wörter zu merken, kann das nachvollziehen).

(Wer auf New-York-Zeilen wartet: Bitte nach unten scrollen, erst gibts noch Washington und Baltimore und je nach Laune auch noch Philadelphia).

Im bewährten rückwärtschronologischen Stil gehts also zurück nach Washington. Die volle Dosis USA hat man uns versprochen, und die volle Dosis USA haben wir erhalten. Einquartiert haben wir uns in der lokalen Jugi. Ich weiss nicht, ob ich mich jetzt schon über Dorms auslassen soll oder später. Nö, machen wir jetzt, sonst finde ich später keinen Einstieg mehr.

Also: Dorms (zu deutsch: Schlafräume mit diversen Menschen) sind zwar meist recht günstig; damit hat sichs aber auch schon. Etwas weiter vom Stadtzentrum entfernte Motels erhält man meist für einen vergleichbaren Preis (nette Vergünstigungen gibts etwa über Roomsaver.) Dafür gibts dann: Privatzimmer, grosse Betten, Alkoholerlaubnis im Zimmer, Privatfernseher, Privatdusche, Kühlschrank, Raucherlaubnis im Zimmer, Parkplatz, Privatsteckdose. Des Weiteren: Niemand, der um neun Uhr abends schon schläft (Asiaten, Ältere, Alkoholisierte) und um sieben Uhr morgens schon wieder im Dorm rumort (Asiaten, Ältere, Museumsjunkies). Hab ich erwähnt, dass ich nicht sooo wahnsinnig gut geschlafen habe im Hostel? Eben.

Aber weg von den Nebenschauplätzen hin zu Stätten von Weltruhm. Wem angesichts von White House, Washington Monument, Lincoln Memorial, Capitol, Supreme Court, Jefferson Memorial, World War II Memorial, Vietnam Veterans Memorial, Korean War Memorial oder FDR-Memorial das Herz nicht bedeutend wird, den bewegt wohl nichts Politisches mehr im Leben. (Hier, stellvertretend, das, na?, White House.)


Washington ist zusammengefasst: Monumente, Memorials, Polizei, Riesengebäude, Museen, plattgelatschte Füsse. Aber das ist eigentlich schon so allgemein, dass es fast ein Fazit der Stadt sein könnte. Ist noch etwas früh dafür.

Darum noch eine Detailaufnahme aus dem Capitol: Da wollten wir doch rein, auf dem Hügel oben schreit ja alles «wichtige Dinge geschehen hier». Die Eingangskontrolle dauerte schon mal länger als die für die Flugreise und ich musste meinen Sonncrèmespray draussen entsorgen und 20 Sekunden später nochmals durch den Metalldetektor und der Rucksack nochmals durch das Durchleuchtedings, worauf die gestrenge Polizistin ihn sich noch einmal manuell vornahm und dabei ganz neue Sachen darin nicht so lustig fand. (Zugegeben: Mein Rucksack hat etwa zwanzig Taschen, hihi). (Im Bild also, mangels hübscher Innenaufnahmen, das Capitol von aussen.)


Dann zuerst ins House of Representatives, quasi unser Nationalrat. Da war nicht allzu viel los, ausser dass Nancy Pelosi einer Congresswoman das Wort erteilte und diese zu einer eher zähen Rede anhob. Also ab in den Senate, und nach dem Repräsentantenhaus und dem Eingang schon die dritte Sicherheitskontrolle im Capitol. Auf jeden Fall waren wir grad rechtzeitig da, denn John McCain sprach vor dem kaum besuchten Senate über weiss auch nicht mehr genau. Aber reden kann er ganz gut. Fotos davon gibts leider nicht. Die haben uns vorher alles abgenommen. Besonders witzig fanden wir jedoch noch den Schnelltipper, der mit einer Schreibmaschine, die er wie einen Bauchladen vor sich befestigt hatte, im Saal herumging und tippte wie ein Wahnsinniger, dabei aber einen derart professionell gelangweilten Gesichtsausdruck spazieren führte, dass wir nur noch staunen konnte. Gut, die arbeiten auch nur in 10-Minuten-Schichten. Kurzstreckenläufer.

Nun ja, neben ein paar Bier in einer weniger verlassenen Zone als Downtown fällt mir zu Washington nicht mehr so viel mehr ein gerade. Ah, doch, Squirrels:


Vor Washington gabs Kurzstopps in Philadelphia und Baltimore. Philadelphia verströmt eine gute Dosis Geschichte (war ja zumindest mal im 18. Jahrhundert zehn Jahre lang Hauptstadt), aber es hielt uns nicht allzu viel da. Mehr Fotos als das tapfere Ross mit Reiter gibts dann ihr wisst schon wo.


Joa, und für Baltimore hatten wir dann entweder zu wenig Zeit oder zu wenig Mut. Fans von «The Wire» wissen es: Die Stadt hat eine der höchsten Mordraten der USA und ist kein einfaches Pflaster. Der Hafendistrikt ist allerdings sehr handzahm.


Jesses, und jetzt noch New York? Wisst ihr, wie lange ich jeweils habe für diese Beiträge? Stunden, ernsthaft. Nicht sehr effizient, ich weiss, aber meine Leser liegen mir halt am Herzen. Darum schlage ich vor: New York gibts bald in einem separaten Beitrag (sowie, als kleines Zückerchen unseren Zufallstreffer Lake Harmony). Titel ändere ich jetzt nicht mehr ab. Betrug am Leser? Kann sein. Spassig? Jaha.

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